Varroa im Bienenjahr: Planen, beurteilen und nachkontrollieren
Die Varroamilbe ist die grösste Herausforderung für Honigbienen in der Schweiz. Sie ist deshalb keine Aufgabe für einen einzigen Monat, sondern zieht sich durchs ganze Jahr. Dieser Artikel verbindet vorbeugende Massnahmen, Befallsbeurteilung und Behandlungsschritte zu einem nachvollziehbaren Plan. Die Varroatose gilt in der Schweiz als zu überwachende Tierseuche. Die Durchführung der Behandlungen richtet sich immer nach den aktuellen Fach- und Produktanweisungen.

Das Jahr im Überblick
- Frühling bis Frühsommer: Vorbeugen mit Drohnenschnitt und geeigneter Jungvolkbildung, Befall beobachten.
- Ende Juni bis Juli: Befall beurteilen, erste Sommerbehandlung vorbereiten und rechtzeitig durchführen.
- August: Auffüttern, abgestimmt auf die Behandlung.
- September: Zweite Sommerbehandlung im Standardkonzept spätestens Mitte September beginnen.
- November bis Dezember: Winterbehandlung im brutfreien Zustand, danach Erfolgskontrolle.
Vorbeugen und Befall beurteilen
Drohnenschnitt und geeignete Jungvolkbildung können die Milbenentwicklung bremsen, siehe Drohnenschnitt und Jungvolkbildung. Für eine aussagekräftige Befallsbeurteilung brauchst du die richtige Messmethode zum passenden Zeitpunkt.
Zwei Zahlen werden oft verwechselt:
- Natürlicher Milbenfall: Er wird vor einer Behandlung erhoben und pro Tag bewertet. Er sagt etwas über die Befallsentwicklung aus.
- Behandlungsmilbenfall: Er wird nach einer Behandlung erfasst und zeigt, wie gut die Behandlung gewirkt hat.
Die beiden Werte beantworten verschiedene Fragen und haben verschiedene Grenzwerte. Mehr zur Messung im BGD-Merkblatt zum natürlichen Milbenfall.
Die Sommerbehandlungen
Die erste Sommerbehandlung muss früh genug vorbereitet werden. Verfahren mit Brutunterbrechung haben einen anderen Vorlauf als Verdunsterverfahren mit Ameisensäure. Das aktuelle BGD-Konzept und seine Methodenblätter helfen bei der Auswahl. Mehr im Julikalender.
Fütterung und Behandlung stimmst du aufeinander ab. Ein Volk ohne erreichbares Futter ist keine geeignete Ausgangslage für eine Behandlung. Während einer Ameisensäureanwendung fütterst du nicht, die Auffütterung liegt zwischen der ersten und der zweiten Sommerbehandlung. Mehr dazu im Augustkalender.
Die zweite Sommerbehandlung beginnt im Standardkonzept spätestens Mitte September mit Ameisensäure, siehe Septemberkalender. Eine höhere Dosierung gleicht eine zu späte Anwendung nicht aus.
Wichtige Änderung für den Oktober
BGD und Zentrum für Bienenforschung haben 2026 die frühere zusätzliche Oxalsäurebehandlung im Oktober aus dem Standardkonzept genommen. Grundlage ist die BGD-Mitteilung «Rechtzeitige Sommerbehandlung entscheidend» und das Varroakonzept V 2606. Ältere Poster nennen sie womöglich noch. Orientiere dich an der aktuellen Fassung und nicht allein am Datum einer Datei.
Winterbehandlung und Erfolgskontrolle
Vor der Winteranwendung prüfst du den Brutzustand. Vorgehen, Temperaturen und Schutzausrüstung hängen vom Verfahren ab. Die Träufelbehandlung wird in diesem Konzept nur einmal ausgeführt. Eine nötige zweite Behandlung folgt den im Konzept vorgesehenen Methoden. Den Erfolg kontrollierst du über den Behandlungsmilbenfall in den zwei Wochen nach der Behandlung, bei mehr als 500 Milben sieht das Konzept eine Wiederholung vor. Mehr in den Kalendern November und Dezember.
Dokumentiere Präparat, Methode, Datum und Erfolgskontrolle. Bei auffälligen Ergebnissen oder widersprüchlichen Beobachtungen unterstützt dich der Bienengesundheitsdienst.
Aus der Imkerei Vogel
Unsere Bienenstände befinden sich in Buchrain, Verkauf und Kontakt in Emmenbrücke. Die Imkerei kennenlernen und Zum Honigshop.
Häufige Fragen zur Varroa
Wann muss ich gegen Varroa behandeln?
Nach dem BGD-Konzept mit zwei Sommerbehandlungen (erste im Juli, zweite spätestens ab Mitte September) und der Winterbehandlung im brutfreien Zustand.
Reicht der Drohnenschnitt gegen Varroa?
Nein. Er kann die Milbenentwicklung bremsen, ersetzt aber weder Befallskontrolle noch Behandlung.
Gibt es im Oktober eine zusätzliche Oxalsäurebehandlung?
Nach dem aktuellen Standardkonzept nicht mehr. Die BGD-Mitteilung von 2026 bestätigt die Änderung.
Wie erkenne ich, ob die Behandlung gewirkt hat?
Durch den Behandlungsmilbenfall über zwei Wochen nach der Behandlung.
Fachquellen
BGD 1.5.1: Natürlichen Milbenfall messen, V 2606
BGD: Rechtzeitige Sommerbehandlung und Änderung des Varroakonzepts 2026
BGD 1.2.1: Liebig-Dispenser, V 2505
BGD 1.3.2: Träufelbehandlung, V 2507
BGD: Bericht Bienengesundheit Schweiz 2025
Redaktionsstand: 13.10.2026. Eigenständig formuliert anhand der genannten Fachquellen; keine Freigabe durch die Fachstellen.
